Überall kann man dieser Tage von Second Life (”SL”), einem der größten Internet-Spiele der Welt, lesen. Die Blogs sind voll davon, Reuters hat z.B. einen Second Life Blog, und auch die Presse berichet darüber. Gestern ist mir z.B. die aktuelle Capital in die Hände gefallen und ich habe den Artikel über SL gelesen. So recht glauben wollte ich ja nicht, was da steht: Deutsche Firmen wie z.B. Adidas, Daimler-Chrysler und BMW kaufen in SL virtuelle Inseln, errichten dort virtuelle Läden und verkaufen dort z.B. virtuelle Schule (Adidas). Das dafür nötige virtuelle Geld, die Währung nennt sich Linden Dollar (nach der Entwicklerfirma von SL Linden Labs), kann man dadurch erhalten, dass man bei Linden Labs echtes Geld in Linden Dollars umtauscht. Und die kann man dann in SL ausgeben. Zurücktauschen kann man die Linden Dollars -falls man in SL irgendwie zu Geld gekommen ist - selbstredend auch! Adidas berichtet in dem Artikel, dass man schon mehrere Millionen Linden Dollar Umsatz mit dem virtuellen Schuhwerk gemacht hätte. Realer Gegenwert: 7000 US Dollar…
Ich frage mich allen ernstes: wer kauft virtuelle Schuhe?! Die Vermutung, dass es die gleiche Zielgruppe ist, die sonst bei Jamba Klingeltöne fürs Handy lädt ist falsch. Laut der Zeitschrift sind in SL v.a. gebildete Menschen aus kreativen Berufen um die 33 Jahre unterwegs. Gaga, einfach nur gaga…
Das erklärt aber wiederum, wieso die Firmen noch auf SL “scharf” sind: Werbung! BMW sieht zum Beispiel in diesen “gebildeten Menschen mit kreativen Berufen” potentielle BMW-Fahrer… Wenn sie meinen…
Gestern hat mich dann irgendwann der “Rappel” gepackt und ich habe mich dort registriert… Nach ein paar Klicks wird man bereits aufgefordert seine Kreditkartennummer bzw. sein Paypal-Konto anzugeben:

Nein danke! Das skippe ich mal. Nächster Klick:

Auch hier: nein Danke. Nach ein paar weiteren Klicks kann ich den SL Client, sozusagen einen SL Browser, herunterladen. Ich dachte, dass Spiel würde aus dem Browser heraus gestartet werden, okay…!? Laden wir’s halt mal runter und installieren es…
Minuten später bin ich mit meinem Avatar in Second Life und versuche das Tutorial, welches man erst absolvieren muss, bevor man in die Hauptwelt darf, zu durchleben. Ein Spiel mit einer derart komischen Steuerung habe ich seit langem nicht mehr erlebt. Auch läuft es an sich eher ruckelnd und lahm - obwohl es garantiert über keine aufwändige Grafik verfügt, die mein Notebook ernstlich ins Schwitzen bringen sollte.
Das Tutorial an sich ist mehr schlecht als recht strukturiert, ich weiß nicht so recht wie ich von Trainings-Station zu Trainings-Station komme und überhaupt: sehr unprickelnd bisher! Das führt dazu, dass ich nach ca. 30 Minuten (vorerst) die Lust verliere und genervt ins First Life zurück kehre… Die GUI ist hier irgendwie doch besser
Die Suchtgefahr, von der man auch immer wieder in Verbindung mit SL ließt, habe ich garantiert nicht gespührt.
Witzigerweise finde ich kurz darauf einen passenden Artikel. Kurzer Auszug:
Im Kampf gegen die Internetsucht setzt China auf ein Boot-Camp nahe Peking. Das Internet Addiction Treatment Center (IATC) verwendet eine Auswahl therapeutischer und militärischer Methoden, um die Abhängigkeit von Computerspielen, Internet-Pornographie, Cybersex und Chats zu kurieren. [...] Internetsüchtige werden wie Verbrecher behandelt. Für die meist männlichen Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren beginnt der Tag um 6:15 Uhr mit Fitness-Übungen und Langzeitmärschen. Simulierte Kriegsspiele mit Laserpistolen gehören wie das Gebrüll der Drill-Sergeants zum Therapie-Alltag. Seit der Eröffnung des Camps vor drei Jahren wurden 1.500 Chinesen behandelt, 70 Prozent davon sollen die Sucht erfolgreich bekämpft haben.
(Quelle: Pressetext)
Das passiert wohl demnächst auch hier mit Spielern von den sog. “Killerspielen” *g* Allerdings müssen die dann den ganzen Tag kleine, rosa Plüschhäschen streicheln… (Ich schweife ab…) Wenn man diesen Artikel aber so ließt, sollte man sich glatt überlegen, Linden Labs Aktien zu kaufen, falls/wenn diese Jungs an die Börse gehen. Solche virtuellen Scheinwelten üben wohl doch eine große Faszination auf viele aus. Und das nicht nur auch Chinesen. Vier Millionen Nutzer hat SL ja schon! Und viele davon sind auch dazu bereit, in SL viel, viel Geld auszugeben…
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