Film: 300 (Kino)

Man ließt ziemlich viel über “300″ in diesen Tagen. Die Kommentare sind dabei ebenso widerspüchlich wie zahlreich. Ich habe mir heute Abend 300 angesehen, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Ich wollte 300 im Grunde nur deswegen sehen, um ihn gesehen zu haben. So wirklich interessiert hat mich der Film ehrlich gesagt nicht.

Kurz gefasst, geht es darum: Der Perserkönig Xerxes landet mit ein paar hundertausend Mann an der Küste Griechenlands und will das Land überrennen. Dummerweise hat er sich ausgerechnet den Küstenabschnitt ausgesucht, von dem nur eine schmale Schlucht ins Landesinnere führt. Leonidas, König der Spartaner, ist etwas cleverer als sein persischer Kollege und nutzt den Engpass dazu aus, um mit nur 300 Mann den Persern den Weg abzuschneiden. Die 300 Mann sind alles, was Leonidas gegen den Feind aufbringen kann und darf, weil der Rest des Armee wegen eines religiösen Fests nicht zu den Waffen greifen darf.

Obwohl Xerxes alles einsetzt, was er zu bieten hat, mähen die Spartaner mehr oder weniger alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Erst durch einen hinterhältigen Verra gelingt es Xerxes Leonidas’ Männer zu bezwingen.

Zuerst einmal zu dem positiven Seiten des Films: er ist sehr hübsch anzusehen. Die choreographischen Schlachtszenen sind beeindruckend inszeniert und wirklich gelungen. Von der ersten bis zur letzten Minute, wird eine sehr interessante und irgendwie mysthische Stimmung erzeugt. Die Musik- und Geräuschkulisse und die düsteren, fahlen Farben unterstreichen dies eindrucksvoll.

Leider fand ich den Film aber aus mehreren Gründen ein wenig entäuschend und um Längen weniger spannend als ich angenommen habe.

  1. der Film ist ein ziemlicher Spätzünder. Etwa 35 Minuten braucht es, bis irgendetwas auch nur annährend “aufregendes” passiert. In der ersten Zeit wird lang und breit Leonidas’ Ausbildung zum Krieger und der sich anbahnende Konflikt geschildert. Das ist zwar ganz interessant, aber auch nicht wirklich spannend.
  2. die Schlachtszenen sind im Grunde genommen “schön” anzusehen aber langweilig. Xerxes legt immer noch “eine Schippe mehr” drauf, die Spartaner freuen sich und filettieren den Feind. Trotz (oder gerade wegen) der in Zeitlupe in alle Himmelsrichtung spritzenden Blutfontänen und Korperteile, wirkt 300 nicht mehr butal. Eher wie ein Kunstwerk mit einer etwas abnormalen Ästhetik. Mitunter deswegen ist der Film auch kein Stück emotional. Der König stirbt - Was solls…?
  3. auf Dauer nervt das pausenlose Gerede der Krieger von Ruhm und Ehre ganz enorm. Die Jungs klingen ähnlich verblendet wie ein gewisser amerikanischer Präsident, wenn er über den Kampf gegen die Achse des Bösen spricht.
  4. Krieger mit unterwäschemodeltauglichen Sixpack-Bäuchen in ledernen Schlüppern wirken irgendwie wie die California Dreamboys auf Blutrausch.
  5. alle Charaktere sind ausnahmslos nur grob gezeichnet. Es gibt keine Figur, mit der sich der Zuschauer auch nur annährend identifizieren könnte, bzw. die interessant und wichtig genug ist, als dass man um ihr Leben besorgt wäre.
  6. Die Geschichte an sich ist nicht “rund” - mich stört das an einigen Stellen. Die Spartaner ziehen mit 300 gegen Hunderttausende und der Rest der Armee hockt dumm rum? Ja klar… Ebenfalls sehr glaubwürdig und ungemein der Spannung dienlich: die letzte Schlacht. Bisher sind etwa 3 Spartaner gefallen und einer hat eine Schramme am rechten Auge. Umgekehrt haben sie aber 1, 2, … ach: viele Gegner getötet. Bei der letzten Schlacht, nachdem sie verraten wurdn, fallen aber plötzlich alle Spartaner quasi simultan tot um.

300 empfand ich als keinen wirklich schlechten Film, aber auch nicht als einen wirklich guten. Von der Art ragt 300 aus der Masse der Filme heraus, ansonsten finde ich den Film aber nur durchschnittlich unterhaltsam und spannend.

Man muss v.a. ganz klar sehen, dass 300 auf einem Comic basiert, der wiederum auf einer grichischen Legende basiert. Das erklärt viele meiner Kritikpunkte, u.a. kann daher die Geschichte einfach nicht logisch sein… Auch muss man diese Art von Film einfach mögen. Fans des Genres werden sicher begeistert. Mir ist ein etwas “konventionellerer” Film im Stile von “Gladiator” lieber.

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