Heute morgen musste ich in dringender Mission in meine geliebte Uni-Stadt Tübingen. Ziel des Vorhabens: Fixierung eines Prüfungstermins bei einem Professor. Banale Sache. Eigentlich. Vorausgesetzt man könnte seine kraftstoffbetriebene Gehilfe benutzen und in dieser mal eben nach Tübingen rauschen…
Das Fahren an sich ist ja nicht soooo das Problem - ich bin ja ein Mann!
Das Problem ist eher das Parken. Die Uni hat zwar in der Innenstadt einen Parkplatz, dort aber einen Platz zum Parken zu finden ist ein eher komplexes Problem. (Gottlob studiere ich normalerweise etwas außerhalb vom Zentrum und kann dort problemlos parken…) Der Glückliche, der tatsächlich einen Platz auf dem Cityparkplatz gefunden hat, muss außerdem auch sehr mutig sein, weil auf diesem Platz Dinge passieren, die wohl sonst so nirgendwo in dieser Republik geschehen.
Auf normalen Parkplätzen sind nämlich meist Bereiche markiert, auf denen man parken darf/soll/kann. Das ist auf dem Uniparkplatz zwar auch so, aber der Student an sich parkt einfach dort, wo es ihm gefällt. Das ist so ein bisschen gelebte Anarchie. Studentenaufstand light. Insbesondere wird daher auch da geparkt, wo eigentlich Autos, die ein- oder ausgeparkt werden, eigentlich fahren können sollten. Der Tübinger Studi kuppelt dann einfach aus, zieht (im Idealfall) nicht die Handbremse an und parkt einfach auf den Fahrwegen. Ggf. muss das dort geparkte Auto (und drei bis sieben weitere) dann zwar von einem Kommilitonen, der ausparken will, weggeschoben werden (der Begriff “Autoschieber” bekommt so eine völlig neue Bedeutung…), aber das ist ja kein Problem…
Naja, fast: Gäbe es da nicht dieses fiese, kleine Gefälle auf dem „Schiebeparkplatz“… Das ist zwar nicht groß genug, um ein stehendes Auto zum Rollen zu bewegen, wohl aber groß genug, um ein breits rollendes Auto viel weiter rollen zu lassen als eigentlich beabsichtigt… Seit dem ich mal einen im Weg stehenden Fiat angeschupst habe, weiß ich das. Danach einmal weg- und wieder hingesehen und siehe da: Der Scheißfiat rollte ja immer noch! Und zwar genau auf einen Golf zu. Seit dem Tag weiß ich auch, dass kinetische Energie eine verdammt lästige Sache sein kann. V.a. wenn man ein Auto ohne Bremse zwei Meter vor einem Golf bremsen muss…
Ich will daher gar nicht wirklich wissen, wie viele Auffahrunfälle durch angeschupste Autos es dort in einem Jahr gibt… Und noch weniger will ich wissen, wie viele von diesen Aufschiebunfällen gemeldet werden. Kurzum: Auf dem Schiebeparkplatz parke ich mein geliebtes Auto nicht – jedenfalls nicht mehr seit dem ich mein Wägelchen einmal ca. 30 Meter weiter weg gefunden habe, als ich es eigentlich geparkt hatte… Daher musste ich wohl oder übel heute Bus und Bahn fahren.
Die Busfahrt nach Reutlingen überspringe ich mal. Außer einem digital (Gas / Bremse) fahrenden Fahrer gab es auch nichts erwähnenswertes. Statt dessen möchte ich viel lieber das exquisite Odeur im Inneren der Regionalbahn erwähnen. Das Unternehmen Zukunft riecht verdammt muffig. Geruchlich also eher „Unternehmen Zugdunst“. Was soll’s? Ich setze mich in Fahrtrichtung rückwärts auf einen freien Platz. In der ersten Kurve bereue ich diese Idee: ich sitze nämlich in einem dieser fiesen Pendelzüge, die sich wie ein Mopedfahrer in Kurven legen können. Luft und pendelnder Zug tun ihr übriges: als ich neun Minuten (gefühlte 9 Stunden) später aussteige ist mir kotzübel - Die Bahn kommt! Und mir kommt’s gleich hoch.

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Raus aus dem Bahnhof, an Deutschlands größtem Schrottplatz für Altfahrräder vorbei rüber zum Bus und … warten. Der kommt auch schon mit 6 Minuten Verspätung und da drin kann man sogar atmen und in Fahrtrichtung sitzen. Klasse. Mein Magen beruhigt sich.
Aber was ist das? An der nächsten Haltestelle steigt ein Rudel finnischer (schwedischer?) Austauschstudenten zu. Die optische Erscheinung des einen Mädels ließ meine Kinnlade ‘gen Süden kippen. So viel modischer Analphabetismus in einer Person habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Fangen wir mal oben an: Ihr Haare waren mit einem grell lilafarbenen Tuchdings auf ihrem Kopf drappiert. Drunter ging es mit einem Minikleid weiter. Das Ding wäre eigentlich von der Form (mit der entsprechenden Frau darin) ganz sexy gewesen, … Ja wenn es nicht durch sein rot-schwarzes Ringelmuster mit Gliterelementen wie ein tuffiges Freddy-Kruger-Gedächtnis-Nachthemd ausgesehen hätte…
Wie gesagt: das Freddy-Kruger-Gedächtnis-Nachthemd war mini… Daher war auch das meiste des BH der schrillen Dame zu sehen. Ich wollte weggucken – wirklich – aber die Kombi aus dem lilafarbenen Haarreif, dem rotschwarzen Ringelmini und dem türkiesgrünen BH ließ mich in Ehrfurcht Grauen erstarren. Der modische Totalschaden dreht sich um und ich (mein Blick noch immer schreckensstarr auf sie geheftet) durfte nun die andere Seite der Dame begutachten: Hinten.
Hinten war das Kleid rückenfrei - so bis kurz oberhalb der Lendenwirbel. Daher konnte ich jetzt auch den BH von hinten inspizieren. Ich weiß aus leidiger und langjähriger Erfahrung, dass die Dinger ganz fies aufzukriegen sind. Aber dass Frauen sie nicht recht zumachen können war mir neu: Meine spezielle neue Freundin statuierte hier ein Exempel: sie hatte nur einen von zwei Haken zugehakt…
Wer lässt sowas einreisen? Ist das nicht gegen die Genfer Konvention? Gibt es dagegen keine Gesetzte?
Egal. Ich bin am Ziel. Ich tappe den restlichen Weg zur Uni und warte auch nur 45 Minuten auf den Prof vor seinem Zimmer. Der kommt auch tatsächlich irgendwann und sieht so ein bisschen aus, als wäre er erst vor 3 Minuten aufgestanden. Frei nach Monopoli: „Gehe in die Uni. Begib Dich direkt dort hin. Gehe nicht übers Bad“. Vielleicht schläft er auch auf dem VW-Bus, der seit Jahren auf dem Schiebeparkplatz steht? Wer weiß!? Und ich Depp ziehe zur Feier des Tages sogar mal ein Hemd an. Zöh.
Der Prof ist wesentlich wacher als er aussieht und wühlt erst einmal in seinem Rucksack Marke „3 Wochen Tibet“ herum und zieht erst eine Pfeife und dann eine Dose mit Tabak hervor, stopft die Pfeife und fängt an zu paffen. Wenn ich jetzt Krebs kriege, kann ich dann die Uni verklagen!? Aber eines muss man dem Vanille-Zeug lassen: es roch we-sent-lich besser als der Zug vorhin!
Drei Minuten später ist alles geklärt und ich schwebe („I believe I can fly, …“) aus dem Zimmer und mache mich auf den Heimweg. Alles easy, alles peacig. Ich bin jetzt nur so breit, dass ich fast nicht durch die Aufzugtür passe… Endlich draußen angekommen beschließe ich zum Bahnhof zu laufen und die viele gesunde Bewegung und Luft gleich durch einen Besuch bei Mc Donalds wieder zu kompensieren. Mit meiner geüllten Futtertüte mach ich mich auf den Weg und suche ein nettes Plätzchen zur Nahrungsaufname. Das finde ich auch ein paar Straßen weiter: direkt neben dem Stand von irgendeiner globalisierungskritischen-esst-keine-Tiere-und-Free-Tibet-Protest-Aktion auf einer Treppe der Stiftskirche. Mir hat noch nie ein Chickenburger so gut geschmeckt wie heute. Esst Tofu, Freunde!
Weiter zum Bahnhof… Ich stelle etwas angepieselt fest, dass der 13:00 Zug wohl gerade eben durch gefahren sein muss und dass der nächste erst in 20 Minuten fährt. Kacke. Aber jetzt lerne ich eine neue Teufelei der Deutschen Bummel ääh Bundesbahn kennen.

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Wie soll man sowas interpretieren? Meine optimistische Deutung war die folgende: Es ist jetzt 13:05 und der 13:00 Zug hat verspätung (Klar: Bahn!) und ist doch noch nicht durchgekommen. Er kommt aber sicher gleich, weil sonst wäre die Anzeige ja gelöscht. Jippyjeeeh. Ich freue mich! — Denkste: Die Tafel war doch noch nicht gelöscht…! Knapp 15 Minuten später schaffe ich es gerade noch rechtzeitig auf den 13:20 Zug auf Gleis 1…
Aber es scheint doch noch einen Gott zu geben. Der Zug war klimatisiert und ich konnte die Kühle auch ausgiebig genießen, weil ich einen der an-jeder-Gieskanne-haltenden Bummelzüge erwischt habe. Als ich nach 21 Minuten (vgl. oben: 9 Minuten) in Reutlingen aussteige ist mir kalt.
Als sich dann noch der Typ im Helmut Kohl-Format im fast leeren (!) Bus nach Hause neben mich, nein: halb auf mich setzt ist mein Glück perfekt. Ich liebe die Öffentlichen. Wirklich…!
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