Oder: Spiegel-Leser tragen mehr!
Hat jemand von euch geschätzen männlichen Lesern schon mal versucht eine brauchbare Tasche zu kaufen? Also keine Aktentasche, keine Notebooktasche, keine Reisetasche, keine Sporttasche, keine Beischlaf-Beutel (für Shorts, Shirt, Schampus, Zahnbürste und Kondome) sondern so eine Art Pendant zur weiblichen Handtasche!? Ein Ding, in das man Handy, Autoschlüssel, Regenschirm, Kippen (falls benötigt) und auch mal ein Buch und ein paar Schreibsachen werfen kann? Sozusagen die Alternative zur ausgebeulten Hosentasche?? Die Emanzipation des Mannes von der Frau (Kein: “Schatz, kannst du das mal bitte in deine Tasche tun!?”)???
Ich glaube das ist eine ab-so-lu-te Marktlücke. Zumindest in meinem geliebten Heimatland Reutlingen scheinen sämtliche Läden, in denen man sackförmige Trageprodukte mit Umhängefunktion käuflich erwerben kann, genau sowas, das mir vorschwebt, nicht zu führen. Das gibt es einfach nicht. Statt dessen drücken einem völlig schockierte Verkäuferinnen (“ein Typ will eine Tasche kaufen, das ist jetzt aber abnormal….”) alle möglichen komischen Taschen (Kulturbeutel, Bordtaschen fürs Flugzeug, usw…) oder abstrus große und nicht minder teure Rucksäcke mit etwa 32 Fächern, innenliegender Notebooktasche und außenliegendem Ipod-Fach in die Hand. Die Dinger haben dann Dimensionen, dass man locker einen zweiwöchigen Trip durch Nepal damit bestreiten könnte. Im nächsten Laden bekomme ich sogar eine Tasche in die Hand, die man nicht einfach so umhängen kann, sondern in die man einsteigen muss. “Bodybag nennt sich das”, wurde mir erklärt. Ein klassischer Fall für einen sehr misslungenen Neologismus. Ich will die Verkäuferin schon fragen, was man mit der restlichen Leiche machen soll, weil in den Bodybag ja höchstens der Kopf reinpassen würde, lasse es aber doch. Letzte Hoffnung: Internet. Dort gibt es für die Winzigkeit von 300€ cremefarbige Täschchen, die wie ein Pistolenholster unter der Jacke getragen werden können. Etwas derartig doofes habe ich noch nicht gesehen. Aber es gibt auch zugegebenermaßen recht coole Taschen aus alten LKW-Planen, die im Prinzip gar nicht verkehrt sind, aber 150€ kosten und so weiter und so weiter… Ich gebe auf. Ich schwenke die weiße Flagge. Ich beule meine Hose weiter aus.
Eine Stunde später sehe ich auf Spiegel online, dass Spiegel jetzt auch Taschen, Radios und Armbanduhren verkauft! Eine der Taschen gefällt mir sogar! Der Preis stimmt auch – ich meine für 19,90€ kann man doch nichts sagen!? Und zusätzlich bekommt man auch noch 13 Ausgaben vom Spiegel geschenkt. Gut. Die hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber einem geschenkten Barsch, schaut man ja nicht ins Maul. Also: gleich mal bestellt…!

Letzten Freitag kam dann meine Tasche in einem winzigen Transport-Karton…

… und siehe da: Das Ding ist tatsächlich ganz passabel.

Wichtiges Memo an mich: Manchmal muss man ein Problem einfach etwas anders angehen, um es zu lösen! *lach*