Buch: Die Wiege des Web (Gillies / Cailliau)

Das Buch “Die Wiege des Web - Die spannende Geschichte des WWW” (~15€) erzählt ähnlich wie “Arpa Kadabra” die Anfänge der globalen Vernetzung. Allerdings wird die Geschichte hier aus einem europäischeren Blickwinkel von zwei Mitarbeitern von CERN beleuchtet. (Arpa Kadabra wurde von zwei amerikanischen Journalisten geschrieben.) Zudem steht in der Wiege des Web nicht die Entstehung des ARPAnet im Vordergrund, sondern das erst viel später von Tim Berners-Lee am CERN entwickelte World Wide Web (WWW) - also “nur” ein Dienst innerhalb des Internet bzw. eigentlich eher DER Dienst des Internet.

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Was mir nach ein paar Seiten bereits aufgefallen ist, ist dass die Wiege des Web schlampiger recherchiert oder übersetzt ist als Arpa Kadabra. Ich habe das erste Kapitel, welches das ARPAnet beschreibt, nur flüchtig durchgelesen (da ich den Teil durch Arpa Kadabra schon kenne) und habe schon so ein paar Fehler gefunden. So wurde z.B. der zweite ARPAnet-IMP nicht vom SRI (Stanford Research Institute) ausgeliefert (S. 30), sondern - wie alle anderen IMPs von BBN an irendwen. In diesem besonderen Fall an das SRI. Terminal-IMPS wurden außerdem als TIP bezeichnet und nicht als IMP (S. 33). Und Licklider hat auch nicht das IPTO bei der ARPA gegründet, sondern eine bestehende Abteilung übernommen und diese lediglich irgendwann in IPTO umbenannt. Das sind kleine Fehler, aber dennoch Fehler… ;-) Zudem gibt es Stellen, die keinen Sinn ergeben. Irgendwo steht z.B., dass das Internet durch halboffene Pakete verstopft wird. Was soll denn das sein, halboffene Pakete?? Gemeint sind sicherlich halboffene TCP-Verbindungen.

Dadurch erscheint mir das Buch nicht sonderlich Vertrauen erregend und auch der Spaß am Lesen leidet.

Ansonsten ist das Buch leider auch viel weniger spannend und amüsant geschrieben als Arpa Kadabra - irgendwie hölzern. Die Autoren schreiben außerdem sehr viel über irgendwelche Experimente bei CERN als über das Thema WWW. Das macht zwar sehr deutlich, wieso die Forschergemeinde so etwas wie das WWW dringend benötigt hat, aber ein bisschen weniger Ausführlichkeit hätte es auch getan… Witzig finde ich v.a., dass man genau beim lesen merkt, wer das Kapitel geschrieben hat. Einer der beiden Autoren schreibt merklich flüssiger und amüsanter als der andere - nur wer!? :-)
Was allerdings sehr nett ist, ist dass man “nebenher” noch eine kleine Einführung in die Entwicklung des Hypertext bekommt. Von Vennevar Bush’s Memx bis hin zu den ersten verfügbaren Implementierungen sind alle wichtigen Schritte enthalten. Dieser Part ist ziemlich interessant und auch gut beschrieben.

Fazit: Ich finde “Die Wiege des Web” bei weitem nicht so gut wie “Die Geschichte des Internet”. Schade. Das Thema hätte sicherlich mehr hergegeben. Daher gibt es von mir auch keinen Kauftipp.

(Wenn du dich für die Geschichte des Internets und Webs interessiert, könnte dich auch das interessieren.)

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[Repost: Habe den Artikel nochmals umgearbeitet und veröffentliche ihn deswegen neu]

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