Gmail, IMAP und der Thunderbird

ffWie mittlerweile bekannt sein dürfte ([1], [2]), ist IMAP nun für alle Gmail-Konten verfügbar! Eben habe ich meinen Thunderbird, der bislang Mails von Gmail per POP gezogen hat, interessehalber auf IMAP umgestellt. Ganz so das Wahre ist das aber doch nicht…

Wie sieht der Thunderbird überhaupt aus, wenn man Gmail per IMAP benutzt? Etwa so, wie im Bildchen rechts abgebildet: Posteingang und Papierkorb entsprechen den gleichnamigen “Ordnern” in Gmail. Gesendet legt Thunderbird wohl selbst an; dieser Ordner hat scheinbar auch nichts mit dem gleichnamigen “Ordner” in Gmail zu tun - darin liegen wohl lokale Kopien gesendeter Mails. Die Unterordner Alle Nachrichten, Entwürde, usw. im Ordner Gmail entsprechen den restlichen, standardmäßig in Gmail vorhandenen “Ordnern” (siehe unten). Diese Ordner dürften also bei allen Usern immer vorhanden sein.

Was ich recht nett finde, ist, dass die in Gmail angelegten Labels, bei mir Notify, POP, usw., als Ordner im Thunderbird angezeigt werden. Damit habe ich nicht gerechnet. Praktisch eigentlich!

gmIMAP wird normalerweise online verwendet. D.h. die Mails werden nicht wie bei POP auf den lokalen PC kopiert, sondern verbleiben auf dem Server und werden direkt von dort geladen, wenn man eine Mail lesen will. Möchte man also auf Reisen, wenn man keine Internet-Verbindung hat, trotzdem seine (alten) Mails lesen, muss man die Mails vorher herunterladen (”Offline Modus”). Das geht auch beim Thunderbird ohne Probleme!

Welchen der vielen Ordner läd man jetzt aber herunter? Alle ?? Wohl kaum - eigentlich sollte das nicht nötig sein! Der Ordner Alle Nachrichten enthält nämlich bekanntermaßen alle Nachrichten, die im Gmail Konto gespeichert sind. Klingt also nach einem guten Kandidaten fürs herunterladen! Allerdings befinden sich dort auch die selbst gesendeten Mails und auch Chats (zu diesen später mehr). Der Inhalt dieses Ordners ist also ein ziemlich unübersichtlicher Wust aus allen empfangenen und gesendeten Mails und Chats - bei mir gut 5000 Elemente.

Um Ordnung in dieses Chaos zu bringen, sprach Google einst “es werde Label” und es ward Label. Im Thunderbird tauchen die Labels, wie oben schon erwähnt, als Ordner auf. Was liegt also näher, also auf so einen “Label-Ordner” zu klicken, wenn man nach einer Mail sucht, die z.B. das Label Privat trägt? Im Offline-Modus wird man eine herbe Entäuschung erleben - die Mails sind nicht verfügbar. Und zwar ganz einfach deswegen, weil Thunderbird nicht weiß bzw. gar nicht wissen kann, dass Privat eine Untermenge von Alle Nachrichten ist. D.h. der Thunderbird kann diese Beziehung nicht auflösen, also nicht auf die eigentlich heruntergeladenen Mails zugreifen - die Label-Ordner funktionieren im Offline-Modus als nicht. Bzw. muss man nicht nur Alle Nachrichten herunterladen, sondern auch die Ihnalte der Label-Ordner, wenn man die Annehmlichkeit von Labels offline haben möchte. Die Daten hat man dann aber ggf. doppelt und dreifach auf der Festplatte liegen!

Das Gmail-Prinzip ist meiner Meinung nach also nicht so ganz mit IMAP verträglich. Hier wären “echte” Ordner, in die die Mails verschoben werden könnten, viel besser geeignet, als die Labels… (Wobei die Labels eine tolle Sache sind. Ich wage daher mal die Prognose, dass das neue Gmail “echte” Ordner UND Labels haben wird…)

chat Das zweite Problem, das mir aufgefallen ist, betrifft die schon angesprochen Chat-Protokolle. Diese werden nämlich nicht wie in Gmail gewohnt chronologisch richtig in die übrigen Mails einsortiert, sondern landen alle(!), wohl aufgrund eines defekten Zeitstempels, im Thunderbird VOR den gesammten Mails. Da ich recht oft über Gmail chatte, muss ich also erst hunderte Chats nach unten scrollen, um an die ersten Mails zu gelangen… Das ist nicht unbedingt so clever und praktisch.

Fazit: Für mich bietet Gmail mt IMAP wenige bis gar keine Vorteile gegenüber POP. Ich werde daher nachher wieder auf POP umstellen. Ich denke, dass IMAP nur dann von Vorteil ist, wenn man es über einen PDA/Smartphone/Handy nutzt: so braucht man nicht die ganzen Mails auf das Gerät zu laden! Oder aber, wenn man über verschiedene Desktop-Rechner, die über eine feste Verbindung ins Netz verfügen, mailen möchte.

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