Seit guten zwei Wochen steht auf meinem Schreibtisch ein schniekes MacBook und seit dem arbeite ich privat (und testweise auch beruflich) mit Mac OS. Nach dem ersten Kulturschock (15 Jahre Windows bzw. 8 Jahre Linux) ist langsam die Zeit gekommen ein kleines Fazit der ersten “Eingewöhnungsrunde” zu ziehen.
Die wohl größte Hürde im Umgang mit dem Mac sind die Tastenkombinationen. Die sind leider komplett anders als unter Windows und auch Linux. Die ersten paar Tage sind daher wirklich diabolisch. Ich habe garantiert 10 Mal irgendwelche Programme (v.a. Terminals bzw. Mail-Clienten) versehentlich beendet, weil ich ein “@” schreiben wollte. Unter Windows wird @ mit Alt + Q erzeugt. Auf dem Mac kann man aber leicht Alt mit der “cmd”-Taste (a.k.a. Apfel) verwechseln und wenn man zusätzlich Q drückt, so beendet man viele Programme ohne großartige Vorwarnung… Danke auch. (@ wird auf dem Mac übrigens mit Apfel + L erzeugt…)
Ebenso ist die Navigation durch Dokumente, z.B. beim Editieren von Texten gewöhnungsbedürftig. Es gibt keine Ende bzw. Pos1 Taste, statt dessen drückt man Apfel + Links oder Rechts usw. Die nötigen Tastenkombinationen muss man wirklich erst erlernen… Hat man die neuen Key-Kombis erst einmal verinnerlicht, tippt man aber genau so fix wie unter Windows.
Auch ist das Dateimanagement mitunter komisch. So lässt sich z.B. keine Datei wie unter Windows markieren und per Strg + X ausschneiden und in einem anderen Ordner per Strg + V wieder einfügen. Mac OS scheint diese Funktion einfach nicht zu kennen. Statt dessen muss man die Datei mit der Maus per drag and drop verschieben. Das nervt mich, man kann aber damit leben.
Ein absolutes Killerfeature, das so gut derzeit wohl nur unter MacOS funktioniert, ist die Desktop-Suche. Per Apfel + Leertaste startet man Spotlight, ein Suchsystem, das mit Google Desktop oder anderen Desktop Suchmaschinen vergleichbar ist. Spotlight funktioniert aber so, wie man es sich von Google Desktop wünschen würde. Es findet in windeseile absolut zuverlässig Dateinamen, Inhalte von Dateien, Kalendereinträgen, Mails usw. Zudem lassen sich über Spotlight Programme schnell starten und selbst sogar einfache Rechnungen lassen sich so ausführen. Zudem super: Spotlight indiziert quasi unmerklich. Spotlight ist ein Feature, das ich wirklich lieben gelernt habe.
Anderes Betriebssystem, andere Programme(?). Nicht unbedingt. Unter Mac OS sind viele der Programme aus dem Freeware oder Open Source Zoo auch verfügbar, siehe dazu auch hier. Anwender die nach ihrem geliebten Microsoft Office schreien, seinen aber gewarnt. Office gibt es zwar für den Mac, es ist aber nicht “das” Office aus der Windows Welt. Mac Office und Win Office sind irgendwie leider nur bedingt kompatibel. Lustige (?) Effekte, wie das Fehlen von Folien einer unter Mac OS erstellten Powerpoint-Präsentation unter Win Powerpoint sind z.B. ein (un)beliebter Beweis dieser Tatsache. Berufliche Office-User werden daher leider nicht umhin kommen mittels Parallels oder anderen Virtualisierungsprogrammen (VirtualBox) Windows auf dem Mac auszuführen und dort Win Office zu installieren. Privatanwender können aber eigentlich entspannen: für sie steht OpenOffice kostenlos zur Verfügung. Wer als Privatmann mit OO sein Briefchen an das Finanzamt oder seine Tabellenkalkulation nicht zusammen basteln kann oder will, muss ein extremer Ignorant sein… OO funktioniert mittlerweile nämlich hervorragend.
Die mit Mac OS mitgelieferten Programme sind leider meist nicht nach meinem Gusto. Viele Programme, z.B. iTunes, iPhoto und der gleichen arbeiten nach dem Prinzip “importiere Daten, würfle sie nach irgendeinem komischen Prinzip zusammen und gebe dem User nur noch über das Programm die Möglichkeit mit den Daten zu arbeiten”. Mir behagt das nicht. Ich will meine sauber in Ordnern und Unterordnern mit sprechenden Dateinamen versehenen Photos nicht von iPhoto in eine dubiose Datenbank werfen lassen. Ich weiß einfach nicht, was mit den Bildern da drin passiert. Genau so iTunes. Meine mp3s sind sortiert. Ich will sie einfach nur abspielen können und brauche solches Gedöns wie Cover und Ähnlichkeitsanalyse nicht. Schlanke Alternativen (die man aber sehr oft finden kann) sind mir da wesentlich lieber.
Sonstige Goodies: Ein weiteres Killerfeature von Mac OS ist der Suspend. Klappt man sein MacBook zu, ist es sofort aus. Klappt man es wieder auf, läuft es sofort wieder (zumindest meistens*). So einfach ist das. Unter Windows oder Linux dauert der Suspend/Resume teils Minutenlang (wenn er unter Linux überhaupt funktioniert). Daher lässt man seine Windows oder Linux Kiste stundenlang laufen – auch dann, wenn man sie nicht braucht. Den Macces klappt man zu und wenn man kurz Mails checken will, klappt man ihn wieder auf. Sehr, sehr nett.
Fazit? So ein ganz komplettes Bild von Mac OS habe ich mir noch nicht bilden können. Ich mag es lieber als Windows XP oder Vista aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob Mac OS verglichen zu einem Ubuntu besser abschneidet. Wenn ich mir aber ansehe, welche enormen Entwicklungssprünge in Bedienbarkeit und Features Ubuntu alle halbe Jahre hinlegt, dauert es nicht mehr lange, bis Mac OS nur die 2 Geige spielen wird…
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* gewisse Kollegen können da anderes berichten…