Unterbelichtung bei Tamron AF 70-300mm F4-5.6 Di SP VC USD

Wie ich hier beschrieben habe, trat bei meinem Exemplar des Tamron 70-300 eine Unterbelichtung auf. Der Effekt trat v.a dann auf wenn ich kleinere Blendenwerte als F8 eingestellt habe. Dieses Problem ist aber mittlerweile behoben, da ich das Objektiv zum Hersteller zur Justage geschickt habe. Jetzt habe ich ein optimal funktionierendes Objektiv.

Erfreulicherweise dauerte die Justage nur ca. eine gute Woche inkl. Versand und Rückversand. Ich kann jedem nur raten das Objektiv ebenfalls einzuschicken falls das gleiche Problem auftritt. Die Kamera musste ich übrigens nicht mitschicken.

Vergleich: Tamron AF 70-300mm F4-5.6 Di SP VC USD vs. Nikon Nikkor AF-S 70-300 F4,5-5,6G VR

Ich habe das Tamron 70-300 bestellt nachdem ich mir erst ein Nikon 70-300 gekauft aber nach langem hin und her für zu unscharf beurteilt habe. Das Einzel-Review und ein paar Testbilder zu dem Nikon gibt es hier. Hier versuche ich das, was ich über das Tamron gelernt habe in Relation zum Nikon zu bewerten. Vielleicht ist der Bericht für den ein oder anderen nützlich.

Das Tamron ist ein brandneues Objektiv und meines Wissens nach das erste Objektiv, welches Tamron mit einem Ultraschallantrieb anbietet. In den Foren wird es als kleines Schärfewunder angepriesen. Quasi einhellige Meinung ist, dass es um einiges schärfer sei als das Nikon… Schärfe ist aber nicht alles, … Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal zu den eher einfach festzustellenden Eigenschaften: Die Haptik und Verarbeitung des Tamron sind gut. Das Plastik macht verglichen zu dem des Nikon einen etwas grabbligeren Eindruck – es wirkt glatter und rutschiger. Das ist aber nicht schlimm, da der Zoom- und Fokusring des Objektivs wie bei Nikon mit einer griffigen Gummiummantelung versehen sind. Somit ist für ausreichend viel Grip gesorgt. Der Zoomring läuft etwas straffer als der des Nikon, ist dafür aber wesentlich geschmeidiger (nicht hakelig) und angenehmer.
Punkte? Keine: Nikon vs Tamron: 0:0

Im Lieferumfang enthalten sind das Objektiv, eine Sonnenblende, Frontdeckel und Bajonettdeckel und eine Bedienungsanleitung. Eine Objektivtasche wie beim Nikon sucht man leider vergebens :-/
Ein Pluspunkt für Nikon gibt es aber nicht, da der Objektivbeutel eigentlich auch wegen fehlender Polsterung nutzlos ist. Nikon vs Tamron: 0:0

Größen- und Gewichtsmäßig schenken sich beide Objektive nicht viel. Das Tamron ist eingefahren etwas kürzer als das Nikon, wird aber bei 300mm etwas länger. Das Tamron ist leicht dicker als das Nikon. Das Tamron hat 62mm Filterdurchmesser, das Nikon 67mm. Witzig ist beim Tamron die Sonnenblende – das Ding ist gigantisch groß. Sitzen tut die Blende gut.
Punkte gibt es keine. Nikon vs Tamron: 0:0

Ich war schon vom VR des Nikon begeistert. Verglichen zu dem des Tamron sieht der des Nikon aber alt aus. Wenn man den Auslöser der Kamera halb drückt, dauert es vielleicht 0,3 – 0,5 Sekunden bis der VR des Tamron arbeitet und dann ist das Bild förmlich eingefroren. Für mich war das ein wirklicher Aha-Effekt. Nicht nur das Sucherbild ist ruhiger, der VR sorgt auch für weniger Ausschuss durch Verwackeln als beim Nikon.
Negativ könnte man das Ansprechverhalten des Tamron VR empfinden und die fehlende “Action”-Einstellung. Letztere soll es dem Nikon ermöglichen in nur 2 der 3 Dimensionen zu stabilisieren. Somit soll mitziehen, z.B. mit einem vorbeifahrenden Fahrrad, möglich werden. Wie gut oder schlecht das funktioniert, kann ich nicht sagen. Der VR des Tamron braucht zudem etwas länger als der des Nikon bis er anspricht (aktiviert ist) und regelt abrupter. Ich könnte mir vorstellen, dass der VR für sehr spontane Schnappschüsse (braucht etwas bis er funktioniert) oder Filmer (regelt abrupt) nicht geeignet ist.
Mir ist aber Effektivität wichtiger als Spontanität, daher der erste Punkt für Tamron: Nikon vs Tamron: 0:1

Der Autofokus-Antrieb beider Objektive ist gefühlt gleich fix und scheint gut mit meiner D7000 zu arbeiten.
Keine Punkte! Nikon vs Tamron: 0:1

Der Punkt für die Schärfe geht klar an Tamron. Schon bei kürzeren Brennweiten zeigt sich ein großer Unterschied zum Nikon, aber v.a. bei langen Brennweiten wird der Unterschied offensichtlich. Das Tamron ist einiges schärfer. Ein paar Testaufnahmen die dies Veranschaulichen finden sich auf einer externen Galerie. Blendeneinstellung und Name des verwendeten Objektivs sind im Dateinamen ersichtlich.
Daher noch ein Punkt für Tamron: Nikon vs Tamron: 0:2

Leider ist Schärfe aber nicht alles. Wichtig ist auch eine natürlich Wiedergabe von Farben und der Lichtstimmung. Hier wiederum sehe ich das Nikon ganz klar im Vorteil. Meiner Meinung nach dieser Punkt sogar der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Objektiven. Mein Tamron liefert in Verbindung mit meiner D7000 oft Bilder die ich als zu dunkel und flau beschrieben würde. D.h. die Farben sind oft ausgeblichen, grau, wenig lebhaft. Die Bilder wirken dann natürlich entsprechend langweilig.
Ich schieße RAW und wandle die RAW-Dateien in Software in JPEG-Dateien um. Eigentlich gute Voraussetzungen die Bilder zu verbessern. Interessanterweise klappt das mit Bildern die mit dem Tamron geschossen wurden nicht gut. Die Software verrichtet in 90% der Fälle bereits im Automatik-Modus bei Bildern, die mit anderen Objektiven geschossen wurden, sehr gute Arbeit. Bei den Tamron-Bildern versagt die Software völlig. In der Regel wird die Belichtung auf quasi Anschlag hochgedreht und zusätzlich der Kontrast ordentlich vergrößert. Oft wird der Schwarzwert zusätzlich herabgesetzt, also das Histogramm in richtung Schwarz verschoben. Die Bilder wirken nach der Auto-Korrektur unnatürlich und sind quasi unbrauchbar. Man kann natürlich manuell korrigieren, aber das verursacht hohen Aufwand.
Ich denke (hoffe) aber, dass man hier etwas machen kann. In den Foren wird davon berichtet, dass die beschriebene Unterbelichtung durch eine fehlerhaft arbeitende Blende verursacht wird. Dies kann man wohl von Tamron korrigieren lassen. Allerdings fürchte ich, dass die flauen Farben nur teilweise auf die Unterbelichtung zurück zu führen sind. Die maue Farbwiedergabe ist mir mittlerweile (nachdem ich das Objektiv selbst habe) bei vielen Beispielbildern aus dem Internet aufgefallen. Beispielbilder sind wieder in einer externen Galerie zu sehen. Wer mag kann sich die Bilder auch als ZIP ziehen.
Für die meiner Meinung nach gute Farbwiedergabe bekommt das Nikon seinen ersten und wirklich dicken Punkt: Nikon vs Tamron: 1:2

Fazit:

Ich habe das Gefühl, dass die Wahl in der 70-300er Klasse zwischen Nikon und Tamron sehr schwierig ist. Das eine ist weich, das andere belichtet unter. Jetzt kann man natürlich sagen, dass man einfach das Tamron justieren lässt. Klar. Aber will man das? Will man ein Objektiv kaufen und es gleich einschicken? Ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob ich das Tamron auch zurück schicke oder ob ich es behalte und darauf hoffe, dass der Tamron-Service das Objektiv so justiert, dass es passt. Wie oben schon geschrieben: ich bin nicht überzeugt, dass damit alle Probleme behoben sind. Vielleicht ist es einfach vermessen zu glauben ein Objektiv zu bekommen das “perfekt” arbeitet und “nur” 400 Euro kostet. Zwei Brillengläser entsprechend vergütet kosten ähnlich. Die haben aber kein VR, kein Ultraschallantrieb, kein …

Update:

Scheinbar funktioniert die Blende an meinem Exemplar wirklich nicht richtig. Bilder die mit Blende <F8 gemacht werden, werden in der Regel falsch belichtet:

Offenblende - Fehlbelichtung

Blendet man ab, z.B. F8, dann sieht die Welt schon ganz anders aus:

F8 - Korrekte Belichtung

… dann werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und schicke das Tamron zu Tamron!

Nikon Nikkor AF-S 70-300 F4,5-5,6G VR

Da ich meine betagte Nikon D70s durch eine brandneue Nikon D7000 ersetzt habe, brauche ich auch neue Objektive. Insbesondere die Wahl des Tele-Zoom scheint schwierig. Als solches habe ich bisher ein Sigma 70-300mm F4,0-5,6 DG APO Makro genutzt, welches aber nicht sonderlich gut ist. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das Objektiv gerade mal 200 Euro kostet und gemessen am Preis wohl kaum zu schlagen sein dürfte…

Alternativen zu meinem Sigma gibt es gar nicht so viele: Das Nikon AF-S Zoom-Nikkor 70-300mm F4,5-5,6G VR für ca. 400 Euro, das Tamron AF 70-300mm F4-5.6 Di SP VC USD für ca. 380 Euro und das Sigma 70-300mm F4-5,6 DG OS für 340 Euro. Letzteres ist wohl der durch Verwacklungsschutz (VR/VC/OS) aufgepeppte direkte Nachfahr meines Sigma und wurde daher gleich aussortiert. Eventuell könnte man noch irgendwelche 70-200mm F2,8 Linsen von Nikon, Sigma oder Tamron kaufen, die aber dummerweise gleich doppelt so schwer sind, 50% größer sind und zumindest in den VR-Varianten einfach zu teuer sind. Also muss die Wahl zwischen Nikon und Tamron 70-300 fallen.

Quasi einhellige Meinung über das Nikon verschiedener Foren und Tests ist, dass es erst bei den langen Brennweiten jenseits 250mm (entsprechend Kleinbild) etwas „einbricht“, sonst aber schön scharf und sehr zuverlässig ist. Dem Tamron, welches übrigens brandneu ist, wird nachgesagt, dass es schärfer als das Nikon sei. Dafür sollen aber manche Exemplare stark Unterbelichten – hier stimmt wohl die Blendensteuerung einiger Exemplare nicht ganz. Meine Wahl fiel daher ganz knapp auf das Nikon…

Nach einer Woche herumprobieren mit dem Nikon bin ich noch ziemlich unentschieden wie gut ich das Objektiv finden soll. Offensichtlich ist aber, dass es um einiges besser ist als das alte Sigma.

Zunächst zu den eher „einfachen“ Eigenschaften: Haptisch und optisch ist das Zoom top. Der Zoomring (und auch der Fokusring) läuft recht geschmeidig. Manchmal hakelt er leicht. Der Zoomring ist dennoch nicht leichtgängig genug, so dass das Objektiv durch sein Eigengewicht „nach unten sackt“ (also länger wird, wenn man es direkt nach oben oder direkt nach unten hält). Der VR scheint auch gut zu arbeiten. Bei 300mm ein Bild mit 1/60 Sekunde nicht zu verwackeln -wie in manchen Forenberichten beschrieben- halte ich für eher unmöglich.

Ich habe versucht die optischen Eigenschaften des Nikon mit einfachen „Hausmitteln“ zu testen. Zunächst versuchte ich mit einem Fokus-Detektor zu testen, ob die Linse richtig fokussiert. Ich konnte dabei weder Front- noch Backfokus an meinem Exemplar feststellen. Schon mal positiv.

Weitere Tests haben mir den Eindruck gegeben, dass das Objektiv über den ganzen Brennweitenbereich nicht sonderlich scharf ist. Heute Nachmittag habe ich einen weiteren Versuch unternommen, die Schärfe des Objektivs halbwegs objektiv :D bewerten zu können. Diesmal wurde aber der Schornstein vom Nachbarhaus aufgenommen. Einmal mit so weit wie möglich offener Blende (also F4,5-5,6 je nach Brennweite) und einmal leicht abgeblendet mit F8. Die Bilder wurden in RAW geschossen und ohne großen Aufwand (Nachschärfen, Weißabgleich, Objektivkorrektur…) in JPEG umgewandelt.

Zunächst einmal die heruntergerechneten, unbeschnittenen Aufnahmen. Hier fallen mir eigentlich keine negativen Eigenschaften auf. Bei den 100% Crops aus der Bildmitte (das schwarze Ding in der Bildmitte wurde fokussiert) sieht das ganze schon etwas anders aus.

Hier fällt durchaus auf, dass die Bilder leicht weich sind. Insbesondere bei den Bildern die mit offener Blende gemacht sind ist das recht auffällig. Das heißt also, dass man immer etwas abblenden muss. Somit wird es schwierig Objekte vor dem Hintergrund freizustellen bzw. geht natürlich auch einiges an Licht verloren, die Belichtungsdauer steig und somit auch die Gefahr zu verwackeln…

Was ich persönlich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist, dass das Objektiv bei 250mm „einbricht“. Ich finde es eigentlich konstant leicht weich oder unscharf.

Fazit: Ich habe keines. Ich bin weder völlig begeistert noch völlig entsetzt. Ein bisschen mehr hätte ich mir allerdings doch erwartet. Ich habe mir daher noch zusätzlich das Tamron-Pendant gekauft, um dieses mit dem Nikon vergleichen zu können.

Update:

Mein Tamron AF 70-300mm F4-5.6 Di SP VC USD ist jetzt da! Gleich mal vorweg: es ist schärfer. Allerdings gibt es ein anderes Problem, darüber schreibe ich aber in einem eigenen Beitrag. Das Nikon gebe ich daher wieder zurück. Schade, weil ich das Objektiv eignetlich gerne mochte.