Ein ziemlich ungewöhnliches Buch heute: Ich habe Sight Sound Motion im Zuge meiner Vorbereitungen auf eine Prüfung in meinem Nebenfach Medienwissenschaften an der Uni gelesen. Zettls Buch ist wohl das absolute Standardwerk, die Bibel quasi, das allen Studenten (zumindest an meiner Uni) eingehämmert wird, die sich mit visueller Kommunikation / Bildgestaltung beschäftigen.
Ich halte “den Zettl” aber auch für all die interessant, die sich privat für Bildgestaltung interessieren. Ich denke, dass v.a. Hobbyfotografen von die sem Buch ungeheuer profitieren können – eben deswegen, weil sie verstehen lernen, warum manche Bilder “gut” sind und warum andere nicht. Man lernt auch, wie man Bilder gezielt aufbaut / gestaltet, um einen bestimmten Zweck/Effekt zu bewirken. Aber auch begeisterte Kinogänger, die verstehen wollen, wieso ein Film (zumindest technisch gesehen) funktioniert und wieso nicht, werden das Buch mögen, da die letzten Kapitel sich ausschließlich auf TV und Film beziehen und bewegte Bilder (Film) und Klang behandeln.

Zettl dröselt nach und nach die Elemente auseinander, aus denen Bilder / Film gemacht sind. Er unterscheidet
- Licht und Schatten
- Farbe
- den zweidimensionalen Raum
- den dreidimensionalen Raum
- Bewegung
- Klänge
Die letzten beiden Themenfelder habe ich nicht durchgearbeitet, deswegen schreibe ich darüber auch nichts.
In den Kapiteln über Licht wird zunächst erklärt, was Licht und Schatten überhaupt ist und was die Funktion von Licht ist. “Ja halt, dass man was sieht!” Schon. Licht kann aber auch z.B. Hinweise geben, welche Uhrzeit in einem Bild dargestellt wird aber auch unsere Wahrnehmung gezielt beeinflussen. Die gezielte Beeinflussung von Licht und Schatten heißt Beleuchtung. Zettl. beschreibt die wichtigsten Techniken und deren genaue Funktion bzw. Auswirkung auf die Wahrnehmung.
Die Kapitel über Farbe klären wieder erst, was Farbe ist und welche Funktion Farbe hat. Zettl führt später Regeln auf, wie Farbe gezielt eingesetzt werden kann, um Bilder besser wirken zu lassen, d.h. um die Aussage von Bildern zu verbessern. Er beschreibt z.B. auch, dass durch Entsättigung von Bildern (also durch Reduktion der Buntheit von Farben), die emotionale Wirkung der Bilder erhöht wird (somit habe ich wenigstens endlich eine wissenschaftlich fundierte Begründung für die Frage, warum ich bunte Portrait-Photos hasse. Schade, dass mich danach noch niemand gefragt hat
)
In einem Bild (im zweidimensionalen Raum) gibt es viele verschiedene (Bild)Kräfte, z.B. die Anziehungskraft der Bildränder, Vektoren oder die Anziehungskraft graphischer Massen. Diese Bildkräfte beeinflussen einander, können einander verstärken oder aufheben. Daher ist es sehr wichtig, diese Kräfte zu kennen, um genau die Wirkung eines Bilds einschätzen und verändern zu können. Die Diskussion in den entsprechenden Kapiteln reicht von relativ bekannten Gestaltungsgesetzten, wie dem Goldenen Schnitt, bis hin zu recht überraschenden und kaum bekannten visuellen Phänomenen und entsprechenden Gestaltungsgesetzten.
Das Kapitel über den dreidimensionalen Raum untersucht u.A., wie die räumliche Wirkung von Bildern zu stande kommt. Konvergierende Linien und die sog. Luftperspektive sind nur einige Faktoren. Man lernt auch, dass es negatives Volumen und positives Volumen gibt. Das klingt etwas abstruß, macht aber Sinn. Positives Volumen ist alles, was man anfassen kann: ein Baum z.B. Negatives Volumen ist die weite Landschaft, in der der Baum steht. Das positive Volumen “modelliert” sozusagen das Negative, drückt also die Weite erst aus.
Fazit: Ich halte das Buch für ziemlich gelungen. Mir hat das Lesen ziemlichen Spaß gemacht und ich glaube, dass ich -einmal davon abgesehen, dass ich das Buch für die Prüfung lesen musste- auch einen persönlichen Gewinn davon getragen habe. Seit dem ich SSM gelesen habe, sehe ich Bilder und Filme irgendwie anders. Bewusster.
Technorati Tags: visuelle Kommunikation, Medienwissenschaften, Herb Zettl, Bildgestaltung