Vor einiger Zeit habe ich mir eine DVB-T Karte bei Saturn für gewaltige 20 Euro geholt, um Fernsehen auf meinem eeePC ansehen zu können. Idee: so hat man einen 2. Fernseher im Haus. Interessanterweise hielt sich aber die Häufigkeit des Gebrauchs dieses “Fernsehers” stark in Grenzen…
Daher wollte ich den eeePC für eine neue Aufgabe rüsten: das Dasein als Video-Server.
Basis-Software
Ich habe zunächst mit ein paar Softwares herumgetestet (mytube, mythTV, …) und fand das alles aber schrecklich kompliziert (MythTV), nur wenig nützlich (mytube), völlig überladen (MythTV) oder, oder oder… Von den Kollegen habe ich schließlich den Tipp bekommen VDR anzusehen und siehe da: diese Software ist tatsächlich klasse.
Mein Video-Recorder basiert jetzt also auf der Software VDR (Video Disk Recorder) und einigen VDR-Plugins. VDR ist ein Open Source Projekt von einem Menschen namens Klaus Schmidinger und wird von einer großeren Community gepflegt bzw. mit neuen Plugins ausgerüstet.
Welche Distribution?
Ich verwende Ubuntu 9.04 Server. Ubuntu deswegen, weil es die gesamten benötigten Pakete verfügbar hat und Server, weil ich keine graphische Oberfläche haben wollte.
Installation und Konfiguration
(als Root)
apt-get install vdr vdr-plugin-streamdev-server
Nun hat man die grundlegende Software für den VDR. Man benötigt jetzt die Konfigurationsdatei für die Sender. Google hilft hier, wenn man z.B. nach channels.conf München (Ersetze München durch Stuttgart, Bitterfeld, …) sucht. Die so festgestellten Sender werden in die /etc/vdr/channels.conf eingetragen (die bereits in der Datei eingetragenen Sender kann man auch getrost rauswerfen). In /etc/default/vdr setzt man nun noch Enabled = 1 und fügt den Pfad in das gewünschte Aufnahmeverzeichnis hinzu: VIDEO_DIR=/media/disk/vdr. In meinem Fall liegt dieser Pfad auf einer externen Festplatte. Jetzt könnte man den VDR starten, bedienen kann man ihn so aber noch nicht. Schön wäre es doch z.B. eine Webseite zu haben, mit der man den VDR programmieren könnte, eh voila:
apt-get install vdr-plugin-live
Nach ein paar Sekunden wäre auch diese Installation abgeschlossen und man kann sich nun mit dem Webbrowser seiner Wahl zum VDR bzw. seiner Administrationsoberfläche verbinden: http://ip-des-vdr:8008

Wie man so ein wenig auf dem Bild erkennen kann, beinhaltet dies diverse Übersichten, z.B. was läuft jetzt, was läuft nachher bzw. was läuft den Tag über auf einem bestimmten Sender. Durch einen Klick auf den roten Knopf vor einer Sendung, wird diese programmiert und auch aufgenommen. Eine wirklich feine Sache.
Ein ziemlich tolles Plugin für VDR Live, die Weboberfläche des VDR, ist epgsearch. Mit
apt-get install vdr-plugin-epgsearch
bekommt man die Möglichkeit geliefert die über DVB ausgestrahleten elektronischen Programminfos nach Sendungsnamen, etc zu durchsuchen. So dürfte also niemand mehr seine Lieblingssendung verpassen
Über VDR Live kann man aber nicht nur Aufnahmen programmieren, sondern auch einen Video Stream des aktuellen Programms zu seinem Rechner pumpen lassen. Hierzu muss man aber erst in /etc/vdr/plugins/streamdevhosts.conf den Rechner an bzw. das Netz in das gestreamed werden darf eintragen: z.B.: 192.168.178.1/8
Aufgenommene Videos ansehen:
VDR Live sollte theoretisch auch Streams der aufgenommenen Sendungen auslösen können. Das klappt bei mir aber komischerweies überhaupt nicht. Ich war daher so frei und habe auf dem eeePC einen Apache Webserver installiert und in /var/www einen Link auf das Video-Verzeichnis der externen Festplatte gesetzt. So kann ich nun per Browser durch den Folder Tree navigieren, die URL der Videos kopieren und in VLC (Video Lan Client) öffnen. Das klappt übrigens hervorragend und sogar die 54MBit WLAN Leitung ist ausreichend schnell, um die Daten zu schaufeln.
VDR hat allerdings eine etwas seltsame Eigenheit: es splittet einen aufgenommenen Film in maximal 2GB große Blöcke. D.h. ein Film von gut zwei Std. Länge erstreckt sich immer über zwei Dateien. Ich vermutete zunächst, dass man irgendwelche komplizierte Software braucht, um die Filmfragmente zusammenzufügen und suchte mehrere Stunden nach der betreffenden Info. Irgendwann kam ich auf die Idee kam mal ein cat teil1.vdr teil2.vdr >> video.mpeg zu versuchen. Eh voila: es hat funktioniert -man muss also nur die Dateien konkatenieren (zusammenhängen). Für einen überlangen Film (mit mehr als 2 Fragmenten) kann man auch einfach
cat ???.vdr >> video.mpeg
eingeben und erhält das komplette Video. Dieses kann dann natürlich wieder wie oben beschrieben durch den Apache gestreamed werden…