Oder: Der Sinn und Unsinn von SSDs.
SSDs sind ja mittlerweile halbwegs bezahlbar geworden. Also wollte ich mir so eine “Wunder-Festplatte” holen und in mein betagtes Notebook (x60t (1,5GHz Core2 Duo, 3GB Ram, ehemals WD Scorpio Black@7200 UPM) schrauben. Derzeit ist wohl die OCZ Vertex 2 120GB für 180 Euro das -theoretisch- Beste was man für das Geld bekommen kann – also habe ich diese bestellt.
Die Leistungssteigerung verglichen zu der WD Scorpio Black ist tatsächlich signifikant – wobei meine alte Scorpio schon deutlich fixer ist als herkömmliche 5400er Notebookplatten… Ubuntu bootet mit der SSD auf meiner alten Kiste in etwa 25 Sekunden, d.h. 15 Sekunden schneller als mit der Scorpio. Applikationen starten verblüffend fix und überhaupt: das ganze Betriebssystem fühlt sich verdammt “snappy” an. Dicke Brummer wie OpenOffice brauchen gerade mal 2 Sekunden zum Laden, Gimp kein 5. Mit der Scorpio bräuchte alles etwa drei Mal so lange.
Mit dem Laufwerkverwaltung-Tool von Ubuntu habe ich kurz einen (Lese-)Benchmark laufen lassen. Hier erreichte die SSD um 160MB/s. Theoretisch sollte mehr drin sein. Auf der Packung sind mehr als 250MB/s angegeben. Vermutlich unterstützt mein Notebook nur Sata I – die 160MB/s entsprechen etwa der theoretischen Geschwindigkeit von Sata I. Mit einem neueren Notebook mit Sata II sollte mehr drin sein.
Dennoch: happy bin ich mit der SSD nicht:
Natürlich will man als halbwegs kundiger Anwender die SSD auf den neuesten Firmware-Stand bringen und dort halten. Lt. Hersteller sind die Updates sinnvoll und wichtig, da sie mehr Leistung und bessere Langlebigkeit der SSD bringen, da bestimmte Algorithmen verbessert werden. Hierzu bietet OCZ ein Tool an, welches unter Windows läuft. Wohlgemerkt nur unter Windows. Es gibt ja keine anderen Betriebssysteme auf der Welt… Andere Hersteller sind hier kaum besser. Wenn man Glück hat wird der Updater als CD-Image angeboten, das man brennen und von dem man booten kann…
Also musste ich erst Windows installieren, um ein Update machen zu können. Wohlgemerkt gedenke ich eigentlich auf der Platte nur Linux zu installieren, da mir der Platz für ein parallel installiertes 10GB-Windows zu schade ist. Bedeutet also: ich müsste für jedes Firmware-Upgrade Windows installieren und vorher alle Daten irgendwie wegsichern. Tolle Aussichten.
Der Updater selbst war schnell installiert und funktionierte erst einmal nicht. Das Tool meldete überzeugt: “No SSD found”. Fein. Nach mehreren Versuchen kam ich auf die Idee das Tool als Administrator zu starten und siehe da: es fand die Platte. Schon doof, wenn ein Tool, das administrative Rechte will, nicht wie sonst unter Windows, Linux oder Mac üblich einfach danach fragt…
Das war aber nicht der letzte Ärger mit dem Tool sondern der Anfang: Das anschließende Firmware-Update schlug nämlich fehl. Warum? Das verriet das Programm nicht wirklich -1 Sekunde wurde eine kryptische Fehlermeldung angezeigt- und startete Windows einfach neu. Oder besser gesagt: es versuchte den Neustart. Die SSD wurde jetzt nämlich nicht mehr richtig erkannt und ohne SSD kein Windows.
“Toll, jetzt ist die SSD gebrickt”, denke ich. Denkste: Nachdem ich den “Brick” ausgebaut und einige Zeit außerhalb des Rechners herum liegen habe lassen, entschloss sich die SSD wieder artig zu sein. Sie ließ sich nämlich plötzlich wieder erkennen und bootete – nach viermaligem Rechner ein- und aussschalten- artig Windows. Und siehe da: Lustigerweise war die Firmware sogar upgedated worden…!
Fazit: Man ist gezwungen empfohlene Upgrades dieser und vieler anderer Festplatten unter Windows zu machen. Und selbst damit klappte es bei der Vertex 2 nur halbwegs gut und bereitet einem viele Probleme. Ich weiß nicht, aber ich komme irgendwie zum Schluss, dass eine (oder diese) SSD noch nicht völlig ausgereift ist. Zudem: 180 Euro für 120 GB Speicher sind -wenn man es ganz realistisch betrachtet- trotz der hohen Geschwindigkeitssteigerung zu viel. Es ist ja nicht so, dass man pausenlos sein Notebook neu startet oder dicke Applikationen öffnet. Aber genau hier nützt die SSD…
SSDs sind zweifelslos die Zukunft und Festplatten werden aus unseren Rechnern nach und nach verschwinden. Für mich ist dieser Zeitpunkt aber noch nicht gekommen… Daher: die SSD geht morgen zurück zu Amazon…