Gelesen: Die Henkerstochter (Oliver Pötzsch)

“Die Henkerstochter” ist ein fiktiver, historischer Roman der kurz nach dem 30jährigen Krieg in Bayern spielt: In Landsberg am Lech wird die Leiche eines Jungen angeschwemmt. Der Bub wurde mit mehreren Messerstichen getötet und es findet sich ein rätselhaftes Symbol an seinem Schulterblatt. Schnell ist klar: hier ist Hexerei am Werk! Der aufgebrachte Mob stürmt das Haus der hiesigen Hebamme und will kurzen Prozess machen, wird aber vom Henker abgehalten*. 

Ausgerechnet der Henker ist einer der wenigen die glauben, dass die Hebamme unschuldig ist. Zusammen mit seiner Tochter und dem Medicus der Stadt beginnt er Nachforschungen anzustellen und findet bald Ungereimtheiten. Als weitere Kinderleichen auftauchen, andere Kinder verschwinden und auch noch der Stadl der Stadt brennt, spitzt sich die Situation weiter zu…

Schaut man auf Amazon die Bewertungen über dieses Buch an, könnte man eigentlich glauben, dass die Henkerstochter allerbester Lesestoff ist. Ich bin nicht ganz dieser Meinung. Zwar ließt sich das Buch gut und man hat den Eindruck, dass der Autor sich in die Geschichte der Hexenverbrennung gut eingearbeitet hat, aber irgendwie ist das Buch an einigen Stellen etwas langatmig geschrieben. Das Verhältnis Seitenzahl zu Spannung ist teils nicht ganz ausgewogen. Wenn der Autor zum vierten Mal einen bestimmten Sachverhalt erklärt (Warum wollen die Landsberger nicht den Tross des Kurfürsten in der Stadt haben?) und dabei quasi den gleichen Wortlaut benutzt, nervt es schon ein wenig… 

Trotzdem: Guter Lesestoff! Von mir gibt es daher 8 von 10 Punkten!

 

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* Ich halte nie Leute ab, die meine Arbeit machen wollen ;-)

Gelesen: Der letzte seiner Art (Andreas Eschbach)

Den Schriftsteller Andreas Eschbach “kenne” ich bereits von einem anderen Buch, das ich vor einiger Zeit gehört habe: “Das Jesus Video”. Ich habe den Roman in guter Erinnerung und hatte daher eine recht hohe Erwartung, als ich an “Der letzte seiner Art” ging. 

Eschbach verwirbt in DlsA wieder sehr gekonnt Fiktion und Realität und schafft dabei eine ebenso phantastische wie auch glaubwürdige und in sich logische Geschichte: Anfang der 80er Jahre beginnt das amerikanische Militär zu begreifen, dass es nicht nur darauf ankommt ungeheuer schlagkräftige Bomben zu besitzen, sondern auch besonders hoch gedrillte Soldaten mit ungeheuren Fähigkeiten. Diese sollten in kleinen Kommando-Operationen Knaben a la Saddam Hussein oder Osama bin Laden den Gar aus machen können. Kurzerhand beschließt man eine Gruppe Junger Männer zu High-Tech “Cyborg” Soldaten mittels Implantaten, künstlichen Muskeln und elektronischen Systemen hochzurüsten.
Jahre später, viele der “gepimpten” Soldaten sind bereits tot, haben sich die wenigen übrig gebliebenen zur Ruhe gesetzt und führen ein beschauliches Leben als Frührentner. Der Held des Buchs, Dwayne, hat sich in Irland niedergelassen und verbringt seine Zeit damit der Leiterin des hiesigen Hotels nachzuträumen oder Bücher zu lesen. Als ein Anwalt samt geheimer Konstruktionspläne der Cyborg-Kämpfer bei Dwayne auftaucht und ihm den Vorschlag macht die amerikanische Regierung auf Körperverletzung zu verklagen, ist mit dem ruhigen Leben Schluss. Der Geheimdienst bekommt von der Sache Wind und beseitigt kurzerhand den Anwalt. Dummerweise hat der aber vorher Dwaynes heimlicher Flamme alle Unterlagen anvertraut, die nun zum Ziel des Geheimdiensts wird…

Die Story klingt natürlich sehr phantastisch, ist aber wie gesagt glaubhaft geschrieben und wirkt nicht konstruiert. Ich hatte beim Hören viel Spaß und wurde prima unterhalten. Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten Eschbach, der mir in die Hände fällt.

Das Systen (Karl Olsberg)

Das Genre der High-Tech-Thriller kreist immer wieder gerne um das Thema, dass irgendwelche Geräte/Systeme/Computer (künstliche) Intelligenz entwickeln und sich gegen ihren Schöpfer, den Menschen, richten. “Das System” von Karl Olsberg ist ein weiterer Kandidat aus dieser Reihe.

Story: Statt dessen, dass Cyborg Armeen die Menschheit Terminator-Like ausradieren, ist “Das System” wesentlich subiler. Die Gefahr ist hier ein intelligenter Super-Wurm, der sich auf vielen tausend Rechnern im Internet installiert hat und eine Schwarm-Intelligenz bildet. Pandora, so der Name der künstlichen, verteilten Intelligenz, sieht sich plötzlich von den Menschen bedroht und versucht sich selbst zu schützen… Etwas “unpraktisch” hierbei ist für die Menschheit, dass heute leider alles über Computer gesteuert wird und zudem vom Internet aus zu erreichen ist… Somit ist Pandora ein scheinbar übermächtiger Gegner!

Hintergrund: Der Autor Olsberg ist Informatiker und hat über künstliche Intelligenz promoviert. Dementsprechend wenig völlig aus den Fingern gesogenen Blödsinn findet man in diesem Buch*. “Das System” ist natürlich sehr phantastisch, aber das präzise Wissen über die Materie, lässt das Buch sehr real und plausibel klingen.

Ich habe gerade sehr viel Spaß beim Lesen und kann das Buch schon jetzt weiter empfehlen!
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* so wie z.B. in Dan Browns Cyber Thriller Diabolus…